Visitors
Arbeiten in Mischtechnik auf Papier.
Figuren tauchen auf. Sie stehen, sitzen, lehnen – manchmal zu zweit, manchmal allein in einem Bildraum, der ihnen keine Geschichte erklärt. Die Arbeitsserie Visitors versammelt Mischtechnik-Arbeiten auf Papier, die in einem Zeitraum von knapp vier Jahrzehnten entstanden sind und doch eine auffällige innere Kohärenz besitzen: dieselbe zeichnerische Handschrift, dieselbe Vorliebe für das Unfertige als Aussage.
Rudolf E. Mitter interessiert nicht das vollständige Abbild. Was ihn interessiert, ist der Moment, in dem eine Linie aufhört, eine Person zu beschreiben, und beginnt, eine Situation zu umreißen. Die Figuren in Visitors sind Erscheinungen – präzise genug, um wiedererkannt zu werden, vage genug, um Projektionsfläche zu bleiben. Ob love me til the heart stops aus den frühen Schaffensjahren oder balance aus dem jüngeren Werk: der Blick des Betrachters füllt aus, was die Linie offen lässt.
Die Titel der Arbeiten sind keine Erklärungen. you may ask yourself, the doubtful dots, whats in the coat – sie funktionieren eher wie Untertitel zu einem Film, den man nur halb gesehen hat. Sie verschieben die Bedeutung, ohne sie festzulegen. Manche stammen aus der Popkultur, aus Songtexten oder Alltagsrede; ihre Herkunft ist spürbar, ohne dass sie zitiert werden müssen.
Was diese Bilder trotz aller zeitlichen Distanz zusammenhält, ist eine Grundhaltung: Figuren als Besucher in einem Raum, der nicht ihrer ist – im Bild, im Betrachterblick, in der Zeit.
Emilia Pleschko (Kunstwissenschaftlerin in Ausbildung)
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